Die ersten Feldforschungen zum Römischen Goldbergbau im „Karth“

    Bericht von Univ.-Doz. Dr. Brigitte Cech, Wien

    Die ersten Feldforschungen im Rahmen des vierjährigen interdisziplinären FWF-Projektes zum Römischen Goldbergbau im „Karth“ (FWF, Projekt 30790-G25) wurden mit großem Erfolg abgeschlossen.

    Die sekundäre Lagerstätte (Loipersbacher Rotlehmserie) wurde in römischer Zeit unter Zuhilfenahme der Wasserkraft abgebaut. Nur so konnten die wenigen, unregelmäßig in der Rotlehmserie vorhandenen Goldflitter gewinnbringend gewonnen werden.

    Im Zuge von Geländebegehungen konnten wir bis jetzt 16 zum Goldbergbau gehörende Staubecken dokumentieren. Die Kartierung der Wasserleitungen hat gezeigt, dass die Einzugsgebiete wesentlich weiter südlich liegen als ursprünglich angenommen, nämlich in den Gemeindegebieten von Kirchschlag, Otterthal, Feistritz und Grimmenstein.

    Die archäologischen Untersuchungen des Sommers 2018 konzentrierten sich auf Becken 2 in Abbaugebiet 2. Mit zwei Grabungsschnitten gelang es Erkenntnisse zur Bauweise des Staubeckens zu gewinnen. Die Stauwälle wurden mit dem Aushubmaterial des Beckens aufgeschüttet, auf der Sohle des Beckens wurde eine lehmige Dichtschicht aufgebracht.

     

     

    Abbildung: Arbeiten im Wallschnitt (Foto: R. Spurway).

     

    Weiters wurde der Auslauf des Beckens zum Abbau untersucht. Das Ablassen des Wassers war nur mit einem Hubschütz, das heisst einer vertikal angebrachten Holzplatte, die mittels Seilzug gehoben und gesenkt wurde, möglich. Zu einer derartigen Konstruktion gehörende Pfostenlöcher fehlten. Es ist daher anzunehmen, dass der Hubschütz in eine kastenartige, beidseitig in den Stauwällen verankerte Holzkonstruktion eingebaut war. Diese Konstruktion wurde wahrscheinlich nach Aufgabe des Beckens großteils entfernt und etwaige noch vorhandene Reste ins Tal gespült. An der zum Abbau führenden Seite des Auslaufkanals war die Sohle mit einer Steinlage befestigt um eine Ausspülung des Kanals zu verhindern.

    Der Vergleich des hydraulischen Abbaus im „Karth“ mit den gut erforschten Bergbaurevieren von Las Médulas in Nordwestspanien und Dolaucothi in Wales zeigt deutlich wie flexibel die römischen Ingenieure in der praktischen Anwendung dieser Bergbautechnik waren. In Las Médulas wurde eine große, aus hartem Konglomerat bestehende Lagerstätte mit Wasserkraft zertrümmert. Die Goldlagerstätte von Dolaucothi ist keine Seifenlagerstätte, sondern eine Ganglagerstätte. Hier wurde Wasser dazu genutzt, den Oberboden abzutragen und so goldhältige Quarzgänge sichtbar zu machen. Diese Quarzgänge wurden mit Schlägel und Eisen und mit Keilen abgebaut und das Taubgestein mit einem Wasserschwall aus den Becken weggespült. Die Lagerstätte im „Karth“ besteht aus lehmigem, mit unterschiedlich großen Geröllen durchsetztem Material. Hier ist es zweckmäßig die Menge des zum Ausschwemmen benutzten Wassers so zu regulieren, dass die Menge des bei einem Schwemmvorgang ausgeschwemmten Materials überschaubar bleibt und aufbereitet werden kann bevor sich das tonige Material der Rotlehmserie wieder verfestigt. Aus diesem Grund wurde Wasser zunächst in großen Sammelbecken gespeichert und weiter in kleinere Becken (sogenannte Spülbecken) geleitet, von wo es gezielt über den abzubauenden Teil der Lagerstätte fließen konnte.

     

    Unser aller Dank gilt den Gemeinden in unserem Forschungsgebiet für die Unterstützung unserer Arbeiten, insbesondere für die Zurverfügungstellung der LIDAR Daten, sowie den Grundbesitzern für die Erlaubnis, auf ihren Grundstücken Geophysik und archäologische Ausgrabungen machen zu dürfen. Ganz besonders bedanken wir uns bei der Gemeinde Natschbach-Loipersbach für die Punschhütte, die für die Zeit der Grabungen zur Werkzeughütte umfunktioniert wurde. Last but not least bedanken wir uns für die positive Einstellung und das große Interesse der örtlichen Bevölkerung an unserem Forschungsprojekt.

    Sollte dieser Beitrag Ihr Interesse an der fast 2000 Jahre alten Bergbaugeschichte des „Karth“ geweckt haben, würden wir uns freuen, wenn Sie unsere website (http://stremke-archaeology.net/goldbergbau/index.html) besuchen würden um über den Fortschritt unserer Arbeiten auf dem Laufenden zu bleiben.

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